ABC -Etüden – Woche 14 : Extra-Etüde

 

Nur in dieser Woche gibt es die Extra-Etüde, frisch angekündigt von Christiane: Von den sechs letzten Wörtern (gespendet von Corly und Elke H.)…

Sonnenuntergang /warm/ fliegen /Forsythien/lächerlich/ erfrieren

… dürfen wir uns fünf aussuchen, um sie in einem Text mit bis zu 500 Wörtern einzubauen, egal welcher Art. Lasst Euch nicht von Corona triggern.

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On the road again

Mach dich doch nicht lächerlich, Tim“, hatte Delia mich angefaucht, als ich ihr schonend beibringen wollte, dass es mit unserem verlängerten Wochenende nichts werden würde. Den blöden Witz vom Bodennebel zu Ostern hätte ich besser gelassen, und dass ich jetzt rund um die Uhr LKW fahren durfte, anstatt mit meiner Süßen das warme Wetter und den Sonnenuntergang am See zu genießen, hätte ich mir so vor ein paar Wochen auch noch nicht vorgestellt. Rausgehen sollten wir ja auch nicht mehr.

Aber wenigstens hatte ich meinen Job noch. Schließlich mussten die ganzen ALDIs, LIDLs, EDEKAs und REWEs in unserer Region mit dem so dringend benötigten Toilettenpapier und anderen händeringend gesuchten Artikeln beliefert werden. Da war Home Office, so wie bei Delia, nicht möglich. Und die Gefahr, dass wir uns gegenseitig auf den Keks gehen, wenn wir rund um die Uhr aufeinander hocken, bestand auch nicht. Das Zeug beamt sich halt nicht auf Knopfdruck oder von alleine in die Märkte. Wie hatte ich nochmal so schön zu Delia gesagt? „Dieser Monat ist echt für den Allerwertesten!“

Meinen flapsigen Spruch hatte sie gar nicht lustig gefunden – ich dagegen ihre Idee, bei dieser Gelegenheit gleich ein paar Pakete für uns abzuzweigen, noch viel weniger.

Klar, Süße, kann ich machen, wenn ich Bock darauf hätte, aus meinem Job zu fliegen!“ Klauen ging gar nicht, und Diebstahl stand auf der Liste der Kündigungsgründe ganz oben. In so einem Fall wäre fehlendes Klopapier noch unser kleinstes Problem – dann konnten wir uns meinen Papieren den Hintern abwischen.

Als ob ich nicht längst selbst auf die Idee gekommen wäre und gefragt hätte. Aber nein, es durften sich bereits die Marktangestellten ihren Teil beiseite legen, wenn jetzt auch noch die LKW-Fahrer damit anfingen… Die Antwort hatte Nein gelautet. Wenn ich jetzt trotzdem zugriff, wüssten sie gleich Bescheid, und ich wäre geliefert. Aber Delia wollte davon nichts hören, und motzte mich weiterhin an. Frohe Ostern!

Irgendwann war ihr der Kragen geplatzt und sie hatte mich rausgeworfen. Na prima.

Und jetzt? Schlafe ich halt wieder in meiner Fahrerkabine. Wenigstens haben wir jetzt Frühling, da werde ich schon nicht so schnell erfrieren. Und wenn alle Stricke reißen, ziehe ich halt wieder bei Chris ein. Der kann jeden Euro gebrauchen, wenn ihm die Aufträge ausbleiben.

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Eine Extra-Etüde mit 375 Wörtern – da bedanke ich mich doch gerne bei Christiane, von der auch die hübsche Illustration ganz oben stammt.

6 Kommentare zu “ABC -Etüden – Woche 14 : Extra-Etüde

  1. Schön, Männer, die ständig schlechte Witze reißen, sind eine Zumutung. Aber ihn deswegen rauswerfen, weil er wegen Corona arbeiten muss und trotzdem kein Klopapier abzweigen kann? Ich verstehe deine Protagonistin nicht. Wenn ihr langweilig ist, ruft sie ihn dann wieder an und holt ihn zurück? Kopfschütteln.
    Liebe Grüße, bleib heiter, pass auf dich auf
    Christiane 😁☕🍪👍

    • Zwischen denen brodelt es womöglich schon länger, beleuchtet habe ich das aber noch nicht. Aber es gibt solche Leute, die jetzt jammern, weil sie wegen Corona nicht an den Strand dürfen, obwohl sie einen großen Garten am Haus haben.

      Vielleicht hatte ich solche Leute beim Schreiben im Kopf.

      • Ja, es gibt solche Leute. Ich verstehe den Wunsch, aus einer bedrückenden Situation fliehen zu wollen, aber es geht halt nicht. Meine Güte 😏👍

    • Nein, o Gott, so hatte ich mir das nicht gedacht. Diese Beziehung pendelt schon länger im On/Off-Status. Das kommt davon, wenn man die Auswüchse rund um das Virus auch noch in die Etüden einsickern lässt. Dann entwickeln Figuren, die so nie angelegt waren, plötzlich ein sehr seltsames Eigenleben.

  2. Pingback: Schreibeinladung für die Textwochen 15.16.20 | Wortspende von Ludwig Zeidler | Irgendwas ist immer

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