ABC-Etüden 2022 – Wochen 38 & 39 – Etüde 4 – Der Dialog

Am liebsten hätte ich ja die erste der drei Illustrationen aus der letzten Runde genommen, aber das geht ja nun nicht.

Deshalb gibt‘s für die aktuelle Runde (hier, bei Christiane) eine eigene, die zu meinem aktuellen Ärgernis passt. Ich hätte lieber über angenehmere Themen geschrieben, aber was raus muss, muss raus. Bevor ich noch platze – denn bei manchen Zeitgenossen frage ich mich, was in ihren Köpfen vorgeht oder ob sie mit Absicht das ignorieren, was sich jenseits ihres Tellerrands abspielt und vor welchen Karren sie sich mit ihren Aktionen spannen lassen.

Ohne die echten Namen der beteiligten Personen und Vereinigungen zu nennen, habe ich einen Dialog um die von nellindreams gespendeten Wörter Regentonne, sensibel und schwanken herum gestrickt. Das Gespräch (in zwei Farben wegen der besseren Lesbarkeit) mag frei erfunden sein, der Anlass ist es leider nicht.

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Der Dialog

„Hast du schon gehört?“

„Was?“

„Der Jay ist jetzt zu den Impfgegnern und Maskenverweigerern übergelaufen.“

„Huch? Wo hast du das denn her?“

„Hier steht’s s schwarz auf weiß: Marsch auf die Hauptstadt. Tretet ein, freut euch, kommt alle. Jay, seines Zeichens Trommler bei Musiklegende *Extra-Large* ruft auf Social Media dazu auf, sich den Souveränen Bürgern anzuschließen, um die Massenimpfung von Kindern zu verhindern und ein klares Zeichen zu setzen. Seine Worte: ‚Wir haben Speis und Trank, und wir haben *Extra-Large*!‘ Der Veranstalter erwartet Tausende von Demonstranten.“

„*Extra-Large*? Tolle Wurst! Doch wohl eher aus der Konserve. Sag mal, geht’s noch? Das sind ja reichsbürgerähnliche Zustände. Das hätte ich dem Jay niemals zugetraut. Ist dem eigentlich klar, mit wem er sich da verbrüdert und dass er andere anstiftet?“

„Vielleicht ist es ihm ja egal.“

„Das wäre nun aber wirklich fatal. Was sagen denn seine Bandkollegen dazu? Das würde mich mal interessieren?“

„Ich glaube nicht, dass die das gutheißen. Wo der eine sogar noch öffentlich verkündet hat, er hätte sich impfen lassen.“

„Aber mal was anderes. Muss dieses Revolverblatt die Gilmore-Girls zitieren? The Guardian. Die sind ja noch unsensibler als unsere Krawallzeitung. Das kannst du doch in die Tonne kloppen!“

„Dann aber in die Regentonne! Misch Tapetenkleister drunter, und heraus kommt sogar noch etwas Kreatives. Aber apropos… Kreativen Output haben *Extra-Large* doch seit Jahren nicht mehr geliefert. Was machst Du eigentlich mit den ganzen CDs von denen? Wegschmeißen?“

„Oh Gott, da sagst du was. Ich stehe kurz davor. Aber dann denke ich: Die Aufnahmen sind uralt, und damals konnte niemand wissen, dass es ’22 so eskalieren würde. Außerdem können seine Kollegen nun wirklich nichts dafür. Aber ganz ehrlich? Ich schwanke noch. Und so lange wandern die Scheiben erst mal nach ganz hinten ins Regal.“

„Aus den Augen, aus dem Sinn?“

„So in etwa.“

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300 Wörter für den Rant der Woche, auf den ich garantiert nochmal zurück komme. In welcher Form auch immer.

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11 Kommentare zu “ABC-Etüden 2022 – Wochen 38 & 39 – Etüde 4 – Der Dialog

  1. Pingback: Unsortierte Gedanken : heute vor … | Blaupause7

  2. Ich denke, die Welle der Umdenker wird anhalten. Je mehr Fälle sich häufen, wo Mehrfachgeimpfte auch schon mehrfach dennoch an Corona erkrankten. Da fragen sich halt viele: wozu denn die ganzen Impfungen?

    • Ganz ehrlich, ist es mir inzwischen wurscht, wer sich wie oft und warum oder warum nicht impfen lässt. Aber es ist eine ganz andere Sache, sich mit Verschwörungstheoretikern, Aluhut-Trägern, QAnon-Anhängern und Ultrarechten zu verbrüdern – und auch noch über sein Facebook-Account zum Mitmarschieren aufzurufen. Das fanden andere auch nicht so prickelnd. Vor allem auch nicht Gruppen der Bevölkerung, für die sich diese Vögel zum Sprachrohr berufen fühlten.

  3. Ah, danke für die Aufklärung zu dem Namen, ich wollte auch schon fragen. Okay, bei dir muss man zuerst an INXS denken, aber ich hatte mich gefragt, ob du jemanden aus D meinst …
    Ich glaube einfach, dass das Frustpotenzial steigt.
    Nachmittagskaffeegrüße und danke für Etüde Nummer vier! ⛅🍃☕🍪👍

    • Nein, mit der ersten Vermutung hattest du richtig gelegen. Mir reicht ja schon der Verschwörungstheoretiker, der sich in meiner weitläufigen Verwantschaft tummelt, den ich aber kaum zu Gesicht bekomme.

  4. Pingback: Schreibeinladung für die Textwochen 40.41.22 | Wortspende von Werner Kastens | Irgendwas ist immer

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